• Kai

Jungbullen und ihr Fleisch



Kraft, Jugend, Potenz, Ausdauer, Schönheit.

All das und noch viel mehr verbinden wir mit diesem einen Wort.

Deswegen ist es nicht selten, dass Verbraucher sich damit brüsten, diese Art von Fleisch erstanden zu haben und meistens ehrlich der Meinung sind, Jungbulle sei etwas Tolles.

Doch wie so oft in unserer marketingverseuchten Welt: dem ist nicht so.

Jetzt ist es natürlich schwer, einmal geschaffenen Klischees argumentativ zu begegnen. Zumal wenn der Kunde sich freiwillig auf diesen Irrweg begeben hat. Deswegen versuchen wir es gar nicht erst. Jungbullenfleisch ist NIX. Nada. Niente. Es ist die billige, geschmack-und belanglose Simulation von gutem Fleisch. Gutem Fleisch wie dem von Färsen und Ochsen.

Und woran erkennt man es: genau. Man kann es nur da kaufen, wo billiges Fleisch angeboten wird.

Wie so oft bei gutem Essen spielt Fett eine zentrale Rolle. Leider hat uns die Industrie in den 80er und 90er Jahren Fett als Negativbegriff hinterlassen. Fettfrei war der Goldstandard.

Was natürlich totaler Unsinn ist, denn fett ist essentiell in der Ernährung.

Erst im fortgeschrittener Alter entstehen Fettdepots in den Muskeln, die bei entsprechender Handhabung dem Fleisch den Geschmack geben, den es braucht, um zart zu bleiben und doch als gehaltvoll empfunden zu werden. Fett ist halt der beste Geschmacksträger. Und das haben junge Bullen nicht.

Warum ist die Industrie dann trotzdem daran interessiert, Jungbullenfleisch viel und schnell zu verkaufen?

Genau: es muss weg. Ähnlich wie bei den bedauernswerten Hähnen, die leider immer noch direkt nach dem Schlüpfen geschreddert werden, kann man hier mit Bullen wenig anfangen. Und schon gar nicht, wenn er auch noch wächst. Denn der Bulle bleibt fettfrei, ist aggressiv und nicht herdenkompatibel. Also bleibt sich die Industrie auch hier in Verlogenheit treu: bewahren wir eine Lüge, pflegen sie durch Dumpingangebote, verführen den Verbraucher zu falschem Konsum und verdienen viel Geld mit wenig Leistung. Denn wer früher stirbt, kostet nichts.

In Süderhöft haben wir Bullen, die bei ihren Familien leben. Einfach so. Sie dürfen sogar Sex haben. Oder sie werden Ochsen. Dann leben sie sehr lange und werden sehr lecker, denn Ochsen bilden Fett in Ihrem Muskelgewebe.

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